
Der alte Herr schaute auf, kam
um den Tisch herum und nahm das Buch wieder an sich. Er warf einen
kurzen Blick auf meine Eintragung.
»Was
machst du da eigentlich?«
»Eine
Statistik. Ich will herausfinden, warum viele so früh sterben.«
»Das
sind sensible Daten, die kann ich dir nicht so einfach zur Verfügung
stellen.«
Ich
berief mich darauf, dass die Stammbücher doch wohl der
Öffentlichkeit zugänglich waren, also durfte ich sie auch genauer
in Augenschein nehmen.
Vorsichtshalber
schaute er noch in ein riesiges Buch mit der Aufschrift »Codex
Auctoritatis«, wo geregelt war, wer was lesen durfte. Aber meinem
Argument hatte er nichts entgegenzusetzen.
Ich
blätterte also, schrieb und rechnete. Noch
gab es kein Bild, nur Tendenzen. Aber ich verwehrte es mir, voreilige
Schlüsse zu ziehen. Mir war klar, dass ich mich nicht mit den
Homsarecs selbst über meine brisanten Daten unterhalten musste, denn
ihnen war das Problem zu nah; was, wenn sogar die intensive
Beschäftigung mit der Gefahr sie in zu große Aufregung stürzte?
Ich
wünschte, mein Vater wäre hier, mit dem ich so gute Gespräche
führen konnte. Ich vermisste ihn als Einzigen hier, und ich wusste
auch, dass er das Leben verstehen konnte, das ich hier führte.
Ich
schaute mir meine Daten an. Ich fand die meisten langlebigen
Homsarecs unter denen, die eine Frau hatten.
Oha,
das würde den Schwulen überhaupt nicht gefallen.
So
einfach war es sicher auch nicht.
Auffallend
war, dass die Frauen mindestens zehn oder fünfzehn Jahre länger
lebten als die Männer. Recht langlebig waren auch Männer, die als
Mütterkinder eingetragen waren. Auch das würden sie nicht gern
hören, und es taugte wenig, um denen zu helfen, die jetzt erwachsen
waren. Ich beschloss also, dieses Wissen erst einmal für mich zu
behalten, bis es nützen konnte.
#homsarecs!
Band 1: "Die Liebe zu den Wilden"
https://buchshop.bod.de/homsarecs-lilith-dandelion-9783748199502
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen