»Wohin gehen wir?« wollte Hieronymus wissen.
»Zu meiner Familie«, entgegnete Fido.
Der Weg führte sie vom Wehrgang zur Vorstadt. Rechts von ihnen ragten die Masten der Schiffe im Hafen auf. Durch Gärten, vorbei an Einzelhäusern, ging es in Richtung des Meeres. Dies war das eher ärmliche Viertel der Fischer und der Räucherhütten und Salzfässer. Hier wurde Fisch getrocknet und zum Versand gebündelt. Man roch es.
Abseits von den Fischhäusern wanderten sie auf ein vereinzelt stehendes großes Holzhaus zu, das schon nah am Wasser lag. Dort waren noch ein paar Handwerker bei der Arbeit, die das letzte Licht nutzten, so schwach es auch war. Einer spaltete Holz für den Herd, ein anderer schnitzte etwas, auch mehr ahnend als sehend, was er tat. Als sie die Ankommenden erblickten, standen sie auf und gingen auf sie zu. Hieronymus blieb einen Schritt zurück, aber Fido legte von neuem seinen Arm um die Schulter seines neuen Freundes. »Dies ist Raptor Noctis, der kleine Bruder meines Vaters, und mein Vetter Belliabdico, der jetzt in Ladoga lebt und zu Besuch gekommen ist.« Hieronymus war verwirrt, natürlich verstand er sofort die Bedeutung dieser quasi lateinischen Namen – ‚ärgstes Küchenlatein‘, dachte er bei sich – denn der ‚Nachträuber‘ und der ‚dem Krieg Entsagende‘ ließen ihn zu keinem Schluss kommen, ob er es mit einer wilden Horde oder friedliebenden Philosophen zu tun hätte. Noch verwirrter war er, als Raptor Noctis auf Fido zutrat, ihm die Hand um den Nacken legte und ihn zu einem zärtlichen Kuss an sich zog, was sage ich, zärtlich? Das war ein inniges Verschmelzen, Lippen auf Lippen, eine kleine, hervorblitzende Zungenspitze, ein Kuss wie solche, bei denen selbst Verlobte sich nicht gern hätten ertappen lassen. Und zugleich streckte Belliabdico seinen Arm nach Hieronymus aus und schien ihn ebenso begrüßen zu wollen. Hieronymus wich ein paar Zoll zurück und fürchtete zugleich, den anderen zu beleidigen. Ohne den Kuss zu unterbrechen, streckte Fido seinen Arm aus und legte ihn an die Wange von Belliabdico. Sperrte ihm zugleich aber auch den Weg zu Hieronymus ab. »Ah, er kennt uns noch nicht?« murmelte Belliabdico.Hieronymus war immer noch verwirrt von dem Anblick, dass ein Onkel so seinen Neffen küsste.
...........................Homsarecs!
Belletristik und Sachliteratur zu BDSM und mehr
Freitag, 12. Juni 2026
Fidos peinliche Verwandtschaft
Vor dem Haftrichter
Er flehte um Gnade und musste somit Seiner Exzellenz dem Dogen vorgeführt werden. Die Amazonen blieben im Vorraum, hatten ihn im Blick und ließen ihn vor den Herrn der Stadt treten.
Der Doge Tanguta, Adresse für Gnadengesuche, wurde in den frühen Morgenstunden um seine Meinung gefragt, um sieben Uhr, als sein Büro öffnete, da war Lelo bereits seit zwei Stunden in Salix‘ Hand. Der Doge sortierte die neu eingegangenen Strafprotokolle und Gnadengesuche. Seine rötlichen Locken waren noch feucht vom Duschen, und er hatte eine schlichte Robe angetan. Da er heute auch richterliche Aufgaben hatte, lag die gehörnte Kappe der Dogen in Reichweite. Er war einer der schönen Menschen, die sich ihrer Schönheit nicht bewusst sind und die auch kein Interesse an ihrem eigenen Aussehen haben. Schmeicheleien pflegte er beinahe barsch abzutun. Er war noch nicht lange im Amt und erst im selben Jahr dem ‘Zustand’ durch die Begegnung mit Iván entgangen.
Seine Exzellenz ließ sich den Täter vorführen. Er betrachtete einen unter dem Schlaftuch nackten Jüngling von achtzehn Jahren, sah sein androgynes, verheultes Kindergesicht, umrahmt von langen dunkelbraunen Haaren. Seine Augen waren gesenkt. Aber als er sie mit dem Ausdruck des Flehens um Hilfe zum Dogen aufschlug, wurde diesem klar, dass er es mit einem verwöhnten Lustknaben zu tun hatte, wie sich viele in den Wohngemeinschaften der Homsarecs herumtrieben, wo sie nichts lernten, als sich niedlich zu machen und jeder ernsthaften Beschäftigung aus dem Weg zu gehen. Die bereits empfangenen Schläge hatten seine Fassung bereits unterminiert und den Rest des Rausches vertrieben. Und der Doge hörte von den Schäden, die der Einbrecher zu verantworten hatte.
»Unsere Gesellschaft beruht auf Ehrlichkeit und Vertrauen«, sagte er, »wir schauen einander in die Seele. Das ist uns heilig. Was du getan hast, erschüttert die Grundfesten dieses Vertrauens. Madame Nox, deine Tante, ist eine verdiente und großartige Amazone, Kriegerin und Schützerin der Cultura. Du hast sie sehr schockiert durch den Einbruch. Sie fand dich vor... Moment... schlafend nachdem du ihre dringend benötigten Schmerzmittel aufgeraucht hattest. Papavers im Wert einer monatlichen Dosis. Zerschlagenes antikes Porzellan. Teppich im Schlaf nassgep... lassen wir das. Sie gibt uns freie Hand, dir eine Lektion zu erteilen, die du nicht vergessen wirst. Den Rest der Strafe, weitere zwei Stunden Schläge, wirst du öffentlich verbüßen. Meine Damen, bringen Sie ihn zwischen die Säulen des Todes und treiben Sie es ihm aus, Häuser durch Fenster zu betreten.«
Sonntag, 19. April 2026
Pentedattilo, der Hüter des Archivs

Der alte Herr schaute auf, kam
um den Tisch herum und nahm das Buch wieder an sich. Er warf einen
kurzen Blick auf meine Eintragung.
»Was
machst du da eigentlich?«
»Eine
Statistik. Ich will herausfinden, warum viele so früh sterben.«
»Das
sind sensible Daten, die kann ich dir nicht so einfach zur Verfügung
stellen.«
Ich
berief mich darauf, dass die Stammbücher doch wohl der
Öffentlichkeit zugänglich waren, also durfte ich sie auch genauer
in Augenschein nehmen.
Vorsichtshalber
schaute er noch in ein riesiges Buch mit der Aufschrift »Codex
Auctoritatis«, wo geregelt war, wer was lesen durfte. Aber meinem
Argument hatte er nichts entgegenzusetzen.
Ich
blätterte also, schrieb und rechnete. Noch
gab es kein Bild, nur Tendenzen. Aber ich verwehrte es mir, voreilige
Schlüsse zu ziehen. Mir war klar, dass ich mich nicht mit den
Homsarecs selbst über meine brisanten Daten unterhalten musste, denn
ihnen war das Problem zu nah; was, wenn sogar die intensive
Beschäftigung mit der Gefahr sie in zu große Aufregung stürzte?
Ich
wünschte, mein Vater wäre hier, mit dem ich so gute Gespräche
führen konnte. Ich vermisste ihn als Einzigen hier, und ich wusste
auch, dass er das Leben verstehen konnte, das ich hier führte.
Ich
schaute mir meine Daten an. Ich fand die meisten langlebigen
Homsarecs unter denen, die eine Frau hatten.
Oha,
das würde den Schwulen überhaupt nicht gefallen.
So
einfach war es sicher auch nicht.
Auffallend
war, dass die Frauen mindestens zehn oder fünfzehn Jahre länger
lebten als die Männer. Recht langlebig waren auch Männer, die als
Mütterkinder eingetragen waren. Auch das würden sie nicht gern
hören, und es taugte wenig, um denen zu helfen, die jetzt erwachsen
waren. Ich beschloss also, dieses Wissen erst einmal für mich zu
behalten, bis es nützen konnte.
#homsarecs!
Band 1: "Die Liebe zu den Wilden"
https://buchshop.bod.de/homsarecs-lilith-dandelion-9783748199502
Mittwoch, 15. April 2026
Wirst du mit meinem Brat fertig?
"Homsarecs! Tiger jagen allein"
Worón, was ‘Rabe’ bedeutet, rauchte seine erste Pfeife Papavers an diesem Tag, als ihm das Fax seiner ehemaligen Vorgesetzten Sarx von den Tigern überbracht wurde. Er erkannte sogleich die Schrift seiner früheren Meisterin, die ihn als jungen, ungebärdigen Rekruten übernommen hatte.
»Mein lieber Worón,
wie ich in der Novosti las, suchst du einen Pais. Daher bitte ich dich darum, dich meines Sohnes Amba von den Tigern anzunehmen. Er braucht eine feste Hand, und ich weiß, dass du eine solche hast. Zur Zeit ist er in der Arsenal-Akademie in Sukent in Ausbildung. Bei ihm muss eine gewisse Zügellosigkeit korrigiert werden, und ich bin nach dem Tod meines Mannes vor 5 Monaten nicht in der Lage, ihm die Härte zu zeigen, die er braucht. Ich habe volles Vertrauen zu dir und räume dir alle Vollmachten ein.
Es grüßt dich herzlich und voller Respekt
Sarx von den Tigern, Amazone a.D.«
Worón hielt inne. Das war verlockend. Ob er hübsch war?
Sarx‘ Kind war mit Sicherheit hübsch.
Sich einen renitenten Sechzehnjährigen ans Bein zu binden lohnte sich ja nur, wenn er im Bett brauchbar war.
Sarx! Eine berühmte Amazone und Leibwache des ehemaligen Dogen Pentedattilo. Bogenschießen, Messer-Nahkampf, Wurfbeil — das waren ihre Spezialdisziplinen. Sie befehligte damals eine Wache von zwölf Amazonen und 24 Gardos. Nach einem Bankett hatte sie sich seiner bemächtigt und ihn übers Polster gezogen. Das war der Beginn einer wundervollen Freundschaft. Nun schickte diese damals so heißblütige Frau ihren Sohn zu ihm, um ihn ‘in Hände zu geben’.
Irgendwie war es auch ironisch. Jeder Zoll eine Kommandantin, und wurde nun mit ihrem Sprössling nicht fertig...
Worón erinnerte sich daran, dass sich Sarx verliebt hatte. Ewen hieß der Unglückliche... Oder Glückliche? Sie war es jedenfalls. Dann war sie schwanger geworden und veränderte sich total, trat aus dem Wachdienst aus und war liebende Frau und Mutter. Worón kam damit zurecht, denn auch er verliebte sich in jemanden, in einen Kollegen, das machte den Abschied leicht.
So, also vor nicht einmal einem halben Jahr verwitwet... Ja, das erklärt, dass der Kleine aus dem Ruder läuft.
Er sah sich die mitgefaxten Unterlagen an. Ein Zeugnis. Er war ja fleißig. Gute Noten in Theorie und Praxis. Daran konnte es wohl nicht liegen, wenn er jetzt der ‘Korrektur bedurfte’. Vielleicht ein verbotenes Bankett? Eine Prügelei? Aufsässigkeit? — Die Benimm-Noten waren gut. Es sprach für den Jungen, dass er in die Arsenal-Akademie aufgenommen worden war. Der Ruf der Eltern und die Leistungen des Jungen mussten tadellos sein.
Wahrscheinlich hat er sich etwas geleistet, was noch vor kurzem für uns ganz normal war, dachte Worón, etwas, das in unserer Natur liegt und nur von den dekadenten neuen Moralvorstellungen verfemt und verpfiffen wird. An meine Brust, Kerl!
Auf diesen Brief brauchte er noch eine Pfeife und Kühlung.
https://buchshop.bod.de/tiger-jagen-allein-lilith-dandelion-9783751952026
Donnerstag, 9. April 2026
Ivan, Ich-Erzähler in Band 1
![]() |
| KI-erzeugt aus Handzeichnung |
Vater-Sohn-Gespräch
Ich musste mit einem anderen Verrückten reden, sonst werde ich es noch wirklich. Und ich beschloss, meinen Vater aufzusuchen, und marschierte mit flottem Schritt zum Verwertungszentrum. Was für ein hochtrabender Name für einen Schrottplatz.
Der Wachhund bellte laut, wedelte aber, als ich mich näherte; ich begrüßte ihn mit einem kleinen Hundekuchen aus meiner Latztasche. Dann sah ich meinen Vater. Er machte eine kleine, unauffällige Handbewegung als Begrüßung.
Er
nahm den Besuch zum Anlass, eine Pause zu machen. Wir
setzten uns auf einen besonnten Palettenstapel. Er nahm seinen Helm
ab und legte die Arbeitshandschuhe daneben, zog einen Tabaksbeutel
aus seiner Jackentasche und drehte sich und mir eine Zigarette. Ich
gab uns Feuer, und wir rauchten.
»Es
wird früh Herbst«, bemerkte er, »und heute kriegen wir noch
Regen.«
Nichts
deutete darauf hin, aber meistens hatte er recht mit solchen
Ansagen. Unmittelbar ging ich zu meinem Thema.
![]() |
| KI-erzeugt aus Handzeichnung |
»Wer sind die Homsarecs, und wo findet man sie?« fragte ich ihn.
Er
schwieg lange.
»Du
erwartest, dass ich dir das erkläre?«
Ich
dachte, ich hätte wohl lieber den Mund halten sollen, aber er fuhr
fort: »Es ist besser für dich, wenn du das nicht weißt.«
»Ich
will es nicht besser haben, ich will es wissen.«
»Denkst
du nicht, dein Vater hat genug gelitten?«
»Kann
ich nicht, du redest ja nicht drüber.«
"Homsarecs! Die Liebe zu den Wilden"
https://buchshop.bod.de/homsarecs-lilith-dandelion-9783748199502
#homsarecs!
Freitag, 20. März 2026
Experimente mit KI
"Der Rote Oleg"
Er ist der Inbegriff eines Homsarecs. Dies beruht auf einer Handzeichnung von ca. 1986, ein Porträt eines Menschen, an den ich mich nicht erinnern kann. Ich habe die Zeichnung Im Photoshop koloriert und mit einmontierten Fotos von Stickereien ausgestattet und einem Pelz ergänzt. Bei den Stickereien resignierte ich vor dem Anspruch, dass es natürlich aussieht. Seit wenigen Tagen experimentiere ich nun mit bildgebender KI. Ich bin mit den Ergebnissen nur bedingt zufrieden. Einerseits erreichen diese Bilder einen Fotorealismus, der mir mit meinen Mitteln nicht gegeben ist; andererseits finde ich die KI-Bilder manchmal auch kitschig, und die Eigenheiten der Charaktere gehen leicht verloren und weichen Stereotypen. Was besonders auffällt, ist, wie die KI von sexistischen und platten Vorlagen geprägt ist, wenn ich versuche, die Amazonen darstellen zu lassen. Von deren emanzipierter Wehrhaftigkeit und Autorität lässt die KI nichts übrig.
Dienstag, 15. April 2025
Willkommen in der Welt der Homo Sapiens Erectus!
Die Helden unserer Fantasien sind unter uns. Die "Homsarecs", sind schön und wehrhaft. Sie sind einerseits schamlos und furchtlos, sie haben aber auch eine spirituelle Seite, das ist ihr kollektives Bewusstsein.
Band 1, "Die Liebe zu den Wilden", beschreibt, wie Ivan, mein Held auf diese Wesen trifft, Inbegriff der Freiheit und Sinnlichkeit, aber auch des Verbotenen und der Gefahr, denn Ivan lebt in einem sehr spießigen und reglementierten Umfeld. In den folgenden Bänden kommen weitere Personen hinzu, doch tauchen auch alte Bekannte auf. Vier Bände dieser Saga sind inzwischen erschienen, ein weiterer ist seit langem in Vorbereitung — er will langsam reifen. Die Bücher sind alle separat lesbar und stehen zugleich in einem Zusammenhang.
"Die Liebe zu den Wilden": Es beginnt mit einer Entführung aus dem Plattenbau
"Der Doge und sein Tunichtgut": Nun lernen wir die Hauptstadt der Homsarecs kennen: Sukent, die Wasserstadt
Der Tunichtgut, der dem Dogen das Leben schwermacht, öffnet seine Tagebücher für uns
"Tiger jagen allein". Dox, ein junger Homsarec, muss auf den Pfad der Tugend gebracht werden, wobei er auch mit einem jenseitigen Wesen ringen muss.
"Des Schreibers wilde Träume", Ein Prequel über Homsarecs am Ende des Dreißigjährigen Krieges, einen königlichen Sekretär und seinen Wächter.
Sie können sich von einem Charakterbild zum anderen durchklicken, ohne zum Hauptverzeichnis zurückzukehren. Die Porträts sind sämtlich auf der Grundlage von Handzeichnungen der Autorin entstanden und von ihr digital koloriert. Als Vorlage dienten zwar Fotos von Schauspieler-innen, doch wurden sie stark abgewandelt. Als Farbbilder gibt es sie nur digital, die Bleistiftzeichnungen als analoge Originale.
Obwohl in Blogform gehalten, dient diese Website der Darstellung meiner Bücher als dauerhafte Präsentation. Aktuelle Gedanken in zeitlicher Abfolge gibt es in meinem anderen Blog, Pusteblume.





