Belletristik und Sachliteratur zu BDSM und mehr

Grundlage der Idee vom NuRiCa -- Neues Ritual des Cannibalismus

Tröma Nagmo, eine zornvolle Dakini


 Chöd (tib. gcod, „Durchtrennen“) ist ein Ritual- und Meditationsweg im tibetischen Buddhismus, der darauf zielt, die stärkste Bindung überhaupt zu kappen: die Anhaftung an ein festes „Ich“. Statt Angst und Abwehr reflexhaft zu füttern, arbeitet Chöd mit ihnen oft in kraftvoller Bildsprache von Nacht, Friedhof, Geistern und „Dämonen“, die ebenso äußere Wesen wie innere Muster (Stolz, Gier, Panik) spiegeln können. Berühmt wurde die Praxis durch die große Lehrerin Machig Labdrön (11./12. Jahrhundert), die buddhistische Leerheitslehre mit älteren tibetischen Ritualformen zu einer radikalen Schule der Furchtlosigkeit verband. In typischen Chöd-Liturgien werden Mantras rezitiert, Trommel (Damaru) und Ritualhorn (Kangling) gespielt, und der eigene Körper wird in der Vorstellung in eine Gabe verwandelt: nicht als Selbstzerstörung, sondern als Training in Loslassen, Großzügigkeit und Mitgefühl. Die Pointe ist provokant einfach: Was man sonst bekämpfen würde, wird verstanden, anerkannt und „gesättigt“ bis der Griff des Egos nachlässt. Traditionell gilt Chöd als anspruchsvoll und wird unter Anleitung praktiziert, gerade weil es so direkt an die Wurzel von Angst und Identität geht.

Aus diesem Gedanken habe ich das NuRiCa (Neue Kannibalische Ritual) entwickelt. Im Roman dient es dazu, die Homsarecs von dem Fluch ihres frühen Todes zu befreien, der aus ihrem Kannibalismus hervorgeht. Sie tragen damit etwas Dämonisches in sich – doch ihre Entwicklung zu „besseren Menschen“ beginnt genau dort: beim Prinzip der Selbst-Darbringung als bewusster Gegenpol zur zerstörerischen Gier. 

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