Samstag, 13. Juni 2026

Gurkensandwiches

Band 2: DER DOGE UND SEIN PROBLEMWOLF

Hemyarik kam mit einem Tablett Sandwiches zu Heathea zurück.
»Was hast du heute gegessen?« fragte sie.
Es war furchtbar wenig gewesen.
»Warum so wenig?«
»Das habe ich mir angewöhnt, als ich verletzt war.«
Er hatte längere Zeit keine feste Nahrung zu sich nehmen können.
Sie befahl ihm, sich direkt vor sie zu setzen. »Sehen wir mal, was auf dem Tablett ist.«
Es waren Gurken-Sandwiches mit und ohne Creme. Die ohne wollte er selber essen.
»Nein, die sind für mich. Ich bin dick, du bist dünn. Du kriegst die mit Creme.«
Er protestierte: »Mir wird schlecht davon.«
»Warum machst du dann welche? Willst du, dass mir schlecht wird?«
»Madame, wollen Sie mich zur Verzweiflung treiben?«
»Wie viele verträgst du?«
»Eins.«
»Okay. Ich nehme eine Scheibe von denen mit Creme und tausche gegen eine ohne. Dann haben wir zwei Sandwiches mit wenig Creme. Einverstanden?

Fidos peinliche Verwandtschaft

 

Band 5, Prequel: "Des Schreibers wilde Träume"

»Wohin gehen wir?« wollte Hieronymus wissen.
»Zu meiner Familie«, entgegnete Fido.
Der Weg führte sie vom Wehrgang zur Vorstadt. Rechts von ihnen ragten die Masten der Schiffe im Hafen auf. Durch Gärten, vorbei an Einzelhäusern, ging es in Richtung des Meeres. Dies war das eher ärmliche Viertel der Fischer und der Räucherhütten und Salzfässer. Hier wurde Fisch getrocknet und zum Versand gebündelt. Man roch es.
Abseits von den Fischhäusern wanderten sie auf ein vereinzelt stehendes großes Holzhaus zu, das schon nah am Wasser lag. Dort waren noch ein paar Handwerker bei der Arbeit, die das letzte Licht nutzten, so schwach es auch war. Einer spaltete Holz für den Herd, ein anderer schnitzte etwas, auch mehr ahnend als sehend, was er tat. Als sie die Ankommenden erblickten, standen sie auf und gingen auf sie zu. Hieronymus blieb einen Schritt zurück, aber Fido legte von neuem seinen Arm um die Schulter seines neuen Freundes. 
»Dies ist Raptor Noctis, der kleine Bruder meines Vaters, und mein Vetter Belliabdico, der jetzt in Ladoga lebt und zu Besuch gekommen ist.« 
Hieronymus war verwirrt, natürlich verstand er sofort die Bedeutung dieser quasi lateinischen Namen – ‚ärgstes Küchenlatein‘, dachte er bei sich – denn der ‚Nachträuber‘ und der ‚dem Krieg Entsagende‘ ließen ihn zu keinem Schluss kommen, ob er es mit einer wilden Horde oder friedliebenden Philosophen zu tun hätte. Noch verwirrter war er, als Raptor Noctis auf Fido zutrat, ihm die Hand um den Nacken legte und ihn zu einem zärtlichen Kuss an sich zog.


Vor dem Haftrichter

 

 

 Band 2: DER DOGE UND SEIN PROBLEMWOLF

Er flehte um Gnade und musste somit Seiner Exzellenz dem Dogen vorgeführt werden. Die Amazonen blieben im Vorraum, hatten ihn im Blick und ließen ihn vor den Herrn der Stadt treten.

Seine Exzellenz ließ sich den Täter vorführen. Er betrachtete einen unter dem Schlaftuch nackten Jüngling von achtzehn Jahren, sah sein andro­gynes, verheultes Kinder­gesicht, umrahmt von lan­gen dunkel­braunen Haaren. Seine Augen waren gesenkt. Aber als er sie mit dem Aus­druck des Flehens um Hilfe zum Dogen aufschlug, wurde diesem klar, dass er es mit einem ver­wöhn­ten Lustknaben zu tun hatte, wie sich viele in den Wohn­gemeinschaften der Homsarecs herumtrieben, wo sie nichts lernten, als sich niedlich zu machen und jeder ernsthaften Beschäftigung aus dem Weg zu gehen. Die bereits empfangenen Schläge hatten seine Fassung bereits unterminiert und den Rest des Rausches vertrieben. Und der Doge hörte von den Schäden, die der Einbrecher zu verantworten hatte.

Den Rest der Strafe, weitere zwei Stunden Schläge, wirst du öffentlich verbüßen. Meine Damen, bringen Sie ihn zwischen die Säulen des Todes und treiben Sie es ihm aus, Häuser durch Fenster zu betreten.«