Band 4: Tiger jagen allein
Bis in die Nacht fastete ich und trank wenig. Ich nahm eine Tasse Bilsenkrauttee zum Vorglühen. Das ist unsere mentale Vorbereitung auf den Kampf. Sofya machte mir zu nachtschlafender Zeit ein Frühstück. »Gott behüte dich«, sagte sie und küsste mich rechts und links.
Ich schnürte schwarze Sportschuhe statt der schweren Stiefel, zog eine schwarze Hose an, schnallte mein mit Nieten bewehrtes Riemenharnisch fest über die ärmellose Weste im Tigermuster und band mir einen sehr strammen Zopf und wand ein pinkfarbenes Band herum, auch dies, um meine Gegner durch heitere Rätsel so lange wie möglich zu unterhalten. Darüber wand ich mir noch ein dunkelrotes Baumwolltuch, ein sogenanntes ‘Bluttuch’, als Turban um den Kopf, ein Tuch, das durch seine orangen und türkisen Sprenkel von Neonfarbe aussieht wie eine Leuchtkäfer-Party. Darauf setzte ich eine Schneebrille der Inuit als Augenschutz, der mir vollends den kalt-neugierigen Blick eines Aliens verleihen würde.
Heute würde ich in einen echten Krieg ziehen.
Hopi hackte die Überwachungskameras und sah mich vor der Tür. Es war kurz nach Mitternacht. Ohne dass sich außer mir jemand näherte, glitten die Glastüren am Eingang auseinander. Noch eine Sicherheitsschleuse öffnete sich. Ich war drin.
An der Straße, im Schatten der Bäume nah dem Eingang, wartete Selknam mit dem Auto.
Ich schritt leise in die Halle. Die Empfangskanzel war nicht besetzt. Hier wurde nachts nicht eingeliefert.
Ich versuchte, mentalen Kontakt mit Viktor aufzunehmen. Keine Spur zu erkennen. Sicher war er stark sediert. Dann ist die Leitung tot. Wie würde ich sein Zimmer finden? Stand vielleicht eine Wache auf dem Korridor?



