Mittwoch, 19. August 2026

Aufbruch im Morgengrauen: Amba der Befreier

Band 4: Tiger jagen allein

Bis in die Nacht fastete ich und trank wenig. Ich nahm eine Tasse Bilsenkrauttee zum Vorglühen. Das ist unsere mentale Vorbereitung auf den Kampf. Sofya machte mir zu nachtschlafender Zeit ein Frühstück. »Gott behüte dich«, sagte sie und küsste mich rechts und links.

Ich schnürte schwarze Sportschuhe statt der schweren Stiefel, zog eine schwarze Hose an, schnallte mein mit Nieten bewehrtes Rie­men­har­nisch fest über die ärmellose Weste im Tigermuster und band mir einen sehr strammen Zopf und wand ein pinkfarbenes Band herum, auch dies, um meine Gegner durch heitere Rätsel so lange wie möglich zu unterhalten. Darüber wand ich mir noch ein dunkelrotes Baumwoll­tuch, ein sogenanntes ‘Bluttuch’, als Turban um den Kopf, ein Tuch, das durch seine orangen und türkisen Sprenkel von Neonfarbe aussieht wie eine Leuchtkäfer-Party. Darauf setzte ich eine Schneebrille der Inuit als Augenschutz, der mir vollends den kalt-neugierigen Blick eines Aliens verleihen würde.

Heute würde ich in einen echten Krieg ziehen.

Hopi hackte die Überwachungs­kameras und sah mich vor der Tür. Es war kurz nach Mitternacht. Ohne dass sich außer mir jemand näherte, glitten die Glastüren am Eingang auseinander. Noch eine Sicherheitsschleuse öffnete sich. Ich war drin.

An der Straße, im Schatten der Bäume nah dem Eingang, war­tete Selknam mit dem Auto.

Ich schritt leise in die Halle. Die Empfangskanzel war nicht besetzt. Hier wurde nachts nicht eingeliefert.

Ich versuchte, mentalen Kontakt mit Viktor aufzunehmen. Keine Spur zu erkennen. Sicher war er stark sediert. Dann ist die Leitung tot. Wie würde ich sein Zimmer finden? Stand vielleicht eine Wache auf dem Korridor?


 

Band 2: "DER DOGE UND SEIN PROBLEMWOLF


Vor ihm stand ein großer Teller mit Asche und den Resten von Papavers. Die Pfeife war vom Rand des Tellers gerutscht und hatte ein glühendes Klümpchen auf den feinen Knüpfteppich gespien, den nun ein schwarzes Loch für immer verunzierte.

Die scharfe Stimme seiner Tante traf ihn schmerzhaft. Er blinzelte und sah, wie sie gegen ihn gestikulierte, als wolle sie ihn mit der bloßen Hand wie mit einer Pistole erschießen.

»Verhaftet ihn! Diese Schande für die Familie! Das ist nicht mehr mein Neffe, dieses Luder. Bei seinen Wohltätern ist er eingebrochen! Gott weiß, wieviele Kumpels er hierher verschleppt hat. Und in meinem Haus Papavers rauchen, sag mal, geht’s noch? Ich will, dass er hart bestraft wird! Der Richter ist schon im Dienst, ich habe im Dogenpalast angerufen. Weg mit ihm, weg, ich kann ihn nicht mehr sehen.«



 

Dienstag, 18. August 2026

Junger Gott

 Ivan sitzt für Isatais Fotoporträts

Disclaimer: Mit "Gott, Göttern" ist ausdrücklich nicht der Allmächtige gemeint. Sondern es sind sagenhafte Wesen, Teil des weltlichen mythischen Personals, das zwar höhere Kräfte haben kann, jedoch nicht absolute Weisheit und Macht. Somit ist dieser ein Apoll oder Hermes.

           Völkerkunde der Heiligen Biester 
             

Ich blieb erstarrt sitzen. Was machte das mit mir? Nicht weniger als einen neuen Mann. 

Mann? Im kurzen Kleidchen? Verdammt, ja. Einen antiken König machte das aus mir.

Einen Apoll. 

Noch ein Bild entstand. Dieses Mal ließ er mich ein wenig versonnen nach rechts blicken. Als wanderten meine Gedanken in die Vergangenheit. Dazu hatte er mein Kinn mit einer leichten Stütze seiner Finger zur Seite gedreht, hatte mir die Haare etwas aus der Stirn gestrichen – und wie es mich da überlief! Als würde man mich mit einer Handvoll Reis bewerfen. Als würde ich in Sprudel baden. Ich hielt so still, dass er eine Kamera von 1840 hätte benutzen können. Ich musste das auskosten. Er trat wieder zu mir, zwei Finger strichen über meine Wange. »Ich möchte dich küssen«, sagte er mit einem kleinen Zittern in der Stimme.

 

Noch einmal eine Essensnummer

 

            Kann ich euch vertrauen?
            Natürlich nicht! Wir sind Homsarecs.

            Ivan zum ersten Mal bei den Heiligen Biestern, zum Essen eingeladen.  

            Band 1: GEH DA NICHT HIN!